Pflanzenkrankheiten

Pflanzenkrankheiten | Die Pflanzen können ebenso wie Menschen erkranken. Die Krankheits- und Schadensbilder bei Pflanzen unterscheiden sich nach deren Ursachen. So können Krankheiten durch Witterungseinflüsse, falsche oder mangelhafte Nährstoffversorgung, falscher Anbau, Unkräuter oder Schädlinge auftreten.

Man unterscheidet zwischen nichtparasitäre und parasitäre Ursachen.

Nicht parasitäre Schäden werden durch unbelebte Einflüsse verursacht, parasitäre Schäden werden durch Lebewesen ( Kleinstlebewesen ) die auf Kosten der Nutzpflanzen leben (Parasiten).

Pflanzenkrankheiten | Nichtparasitäre Schadursachen

Zu den nichtparasitären Ursachen zählen:

  • Kälte, Hitze, Frost, Nässe, Trockenheit, Hagel, Sturm
  • ungünstige Bodenbeschaffenheit: zu dichter Boden, Bodenreaktion (sauer, alkalisch), mangelnde Bodendurchlüftung
  • Pflanzenverletzungen durch Maschinen und Geräte, durch die Krankheitserreger in die Pflanze eindringen können
  • zu wenig oder zu viel Nahrung (Unter- oder Überversorgung der Pflanze)

Die Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen kann z.B.  zur Herz- und Trockenfäule der Rüben bei Bor-Mangel, zu hellen, perlenartigen Streifen auf den Blättern von Mais und Getreiden oder zu Blattverfärbungen (Bräune) der Kartoffel bei Magnesium-Mangel.

Bei einer Überversorgung mit Stickstoff kann es z.B. zur Überhandnehmen von Ampfer auf Grünland. Zu viel Kalk kann für eine Festsetzung von Spurenelementen im Boden sorgen.

Parasitäre Schadursachen

Ungräser und Unkräuter – die Konkurrenzpflanzen

Pflanzenkrankheiten | Löwenzahn Unkraut

Ungräser und Unkräuter stehen hinsichtlich Nährstoffe, Platz und Licht in Konkurrenz mit den Kulturpflanze. Sie können Träger von Krankheiten und Schädlingen sein, behindern Pflege und Ernte der Kulturpflanzen, können Träger von Giftstoffen sein (Herbstzeitlose, Hahnenfuß).

Man unterscheidet zwei Gruppen von Konkurrenzpflanzen:

  • Unkräuter – zweikeimblättrige Pflanzen die 2 Keimblätter entwickeln und breit über den Boden auslaufen
  • Ungräser – einkeimblättrige Pflanzen die 1 Keimblatt entwickeln und meist einen aufrechten Wuchs haben. Diese Pflanzen haben schmale spitz zulaufende Blätter

Auf jeder Wiese stehen Leitunkräuter (Unkrautart die auf einem Standort vorherrscht oder besonders bekämpfungswürdig ist) deren Kenntnis für die spätere Bekämpfung wichtig ist.


Pilzkrankheiten

Pilze sind einfach gebaute Organismen, die kein Blattgrün besitzen und deshalb nicht selbständig leben können. Sie sind auf Wirtspflanzen angewiesen. Pilze entziehen den Wirtspflanzen Nährstoffe und führen zu ihrem Absterben.

Die Übertragung von Pilzen geschieht fast immer durch Sporenflug über die Luft. Die Ausbreitung von Pilzkrankheiten wird durch hohe Luftfeuchtigkeit, warme Luft und ausreichende Blattnässe begünstigt.

Der Pilzbefall wird noch begünstigt durch die fehlende Resistenz gegen den Pilz, unausgewogenes Nährstoffangebot (Stickstoffüberdüngung), schlechte Wurzelentwicklung durch zu hartem/schlechtem Boden, durch schlechte Witterung und unsachgemäßem Wachstumsregler- oder Herbizideinsatz.

Beispiele für Pilzkrankheiten:

  • Grauschimmelfäule (Botrytis) bei Erdbeeren, Himbeeren oder Salat. Ein mausgrauer Schimmelrasen an Blättern, Blüten und Früchten.
  • Echter Mehltau bei Weizen, Reben, Stachelbeeren, Äpfel und Rosen. Ein mehlartiger Belag auf Blattober- und Blattunterseiten, der abwischbar ist; die Blätter werden braun und vertrocknen.
  • Falscher Mehltau bei Kartoffeln (Kraut- und Knollenfäule), Reben, Hopfen und Zierpflanzen. Ein weißgraues Pilzgeflecht auf der Blattunterseite. Auf der Blattoberseite anfangs helle unscharfe, später dunkle Flecken.
  • Rostkrankheiten bei Getreiden, Bohnen und Rosen. Gelbe, rotbraune bis schwarze Sporenlager auf Blattober- und -unterseite. Die Blätter sterben ab.
  • Sternrußtau bei Rosen. Es sind violett-schwarze Flecken mit strahlenförmigem Rand. Die Blätter vergilben und fallen vorzeitig ab.

Tierische Schädlinge

Man unterscheidet folgende tierische Schädlinge:

  • Insekten
  • Nematoden
  • Milben
  • Schnecken
  • Säugetiere
  • Vögel

Insekten

Pflanzenkrankheiten | Maikäfer

Insekten können große Schäden verursachen. Man kann zwischen beißende und saugende Insekten unterscheiden. Bei den beißenden Insekten entstehen Schäden meistens durch die veschiedenen Larvenstadien (Larve, Raupe, Made, Engerling). Bei den saugenden Insekten verursachen sowohl die Larven als auch die Insekten selbst Schäden an Pflanzen.

Typische Fraßbilder der Larven und Insekten sind:

  • Fensterfraß: die Blatthaut auf einer Seite bleibt stehen, die andere wird angefressen (z.B. Getreidehähnchen, Kohlmotte)
  • Lochfraß: die Blätter werden lochartig durchgefressen (z.B. Erdflöhe, Engerlinge)
  • Randfraß: die Blätter werden vom Rand her weggefressen (z.B. Blattrandkäfer, Dickmaulrüßler)
  • Skelettierfraß: das Blatt wird gefressen, nur die dickeren Blattadern bleiben erhalten (z.B. Kartoffelkäfer, großer Kohlweißling)
  • Kaufraß: das Blatt wird zerkaut und der Pflanzensaft aufgesaugt (z.B. Getreidelaufkäferlarve)
  • Minierfraß: die Larven fressen sich ins Blatt. Obere und untere Blattseite bleiben ganz (z.B. Rübenfliege, Kastanienminiermotte)
  • Bohrfraß: die betreffende Pflanzenteile werden ausgehöhlt (z.B. Drahtwurm, Ungleicher Holzbohrer)
  • Fruchtfraß: die Larven fressen sich in den Früchten (z.B. Obstmade des Apfelwicklers, Kirschfruchtfliege)
  • Totalfraß: das ganze Blatt wird weggefressen (z.B. Maikäfer, Goldafter)
  • Saugschäden: das Blatt wird heller, gesprenkelt und kräuselt sich (z.B. Blattlaus, Wanzen, Blasenfüße)

Nematoden

Nematoden (Älchen oder Fadenwürmer) sind kleine Fadenwürmer, die im Boden oder in Pflanzen leben. Durch das häufige Anstechen der Wurzeln beim Eindringen in die Pflanze werden Öffnungen für Fäulnispilze und Bakterien geschaffen. Durch die Ausscheidung von Giftstoffen, den ständigen Saftentzug und die Zerstörung des Wurzelwerkes verkümmern die Pflanzen und können bei starkem Befall eingehen.

Die Nematoden können viele Jahre im Boden überleben, auch ohne Wirtspflanzen. Bei Befall sollte man die Fruchtfolge öfters ändern, d.h. öfters den Pflanzplatz wechseln bis die Nematoden ohne Nahrung eingehen.

Milben

Milben sind kleine Spinnentiere, sie stechen Pflanzeteile an und zerstören sie so. Die Milben haben im Unterschied zu den 6-beinigen Insekten, 8 Beine, ihre Larven 6.

Man unterscheidet 3 Arten von Milbentieren:

  • Weichhautmilben: führt zur Verkrüppelung der Blätter (Erdbeermilbe)
  • Gallmilben: auf ihren giftigen Speichel reagieren die Pflanzen mit Missbildungen (Gallen) – Johannisbeer-Gallminbe
  • Spinnmilben: schädigen insbesondere Gewächshauskulturen, grünlich bis hellrot gefärbt (mit der Lupe sichtbar). Die Blätter vertrocknen.(Rote Spinne)

Zusätzlich gibt es auch eine Milbenart (Raubmilben) die zu den Nützlingen zählt. Sie fressen Nematoden, Milben, kleine Insekten und Insekteneier und können so als biologische Waffe gegen Schädlinge eingesetzt werden.

Schnecken

Pflanzenkrankheiten | Nacktschnecke

Schnecken schädigen meistens junges Pflanzengewebe, das sie mit der Zunge abraspeln. Schäden treten meistens während und nach Regenabschnitten auf. Häufig werden nur die Feldränder angefallen, die an Grünflächen angrenzen.

Säugetiere

Säugetiere sind vor allem schädliche Nagetiere wie z.B. Ratten und Mäuse. Sie schädigen die Pflanzen im Garten (Wühlmaus), sowie die gelagerten Vorräte durch Fraß und Verunreinigung mit Urin und Kot. Sie können so das Lager unbrauchbar machen und können aber auch Krankheiten auf Mensch und Tier übertragen.

Vögel

Vögel wie Sperling, Fasan, Krähe und Taube schädigen lokal an aufkeimenden Saaten. Drosseln und Stare können im Wein- und Obstanbau einen großen Schaden einrichten. Bekämpfungsmittel sind hier verboten, nur so genannte Repellents (Abschreckungsmittel) oder mechanische Abwehrverfahren (überspannen von Schutznetzen) sind erlaubt.


Bakterien

Bakterien sind mikroskopisch kleine, einzellige Lebewesen. Die meisten sind wichtige Zersetzer von organischem Material in der Natur. Bestimmte Arten können aber Pflanzen schwer schädigen. Sie zersetzen das Pflanzengewebe und führen so zu Fruchtfäulen oder zum Absterben ganzer Pflanzenpartien. Bakterien treten über Wunden in die Pflanze ein, oder über die Blütenorgane der Pflanze. Die Infektion wird durch hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt. Die Infektion erfolgt durch Tiere oder durch verseuchte Blumentöpfe oder Geräte.

Die Symptome sind Wucherungen an Samen, Stängeln oder Wurzeln, Faulstellen, Welkerscheinungen und Blattflecken. Eine sichere Diagnose kann leider nur im Labor erfolgreich gemacht werden.


Viren

Viren sind kleine Eiweißkörper die sich innerhalb eines Wirtsorganismus durch die Umsteuerung des Stoffwechsels vermehren. Dabei ergeben sich Schäden an der Wirtspflanze durch die Verstopfung der Leitungsbahnen. Der Wuchs der Pflanze ist dann gestaucht, die Blätter gekräuselt und verfärbt von grün nach gelb bis rot.

Viruskrankheiten werden übertragen durch:

  • Tiere(Vektoren): Blattläuse, Schildläuse, Zikaden, Nematoden
  • Pflanzgut: virusverseuchtes Pflanzgut bei Kartoffeln
  • virusverseuchte Reiser: bei Pfropfung in Baumschulen
  • mechanische Übertragung: Berührung von Blatt zu Blatt oder Blattverletzung durch Arbeitsgeräte

Virus-Krankheiten sind Ursache für den “Kartoffelabbau” (Blattrollvirus, Mosaik-Virus) wobei der Ertrag und die Qualität von Anbau zu Anbau rapide sinkt.

Beispiele für Viruskrankheiten:

  • Blattrollkrankheit: an der Kartoffel. Steife, eingerollte Blätter
  • Mosaik-Krankheit: an Tomaten, Kartoffeln, Gurken. Mosaikartige Scheckung der Blätter, Wuchshemmung
  • Scharkakrankheit: an Zwetschge, Pflaume. Blattflecken, Missbildungen und Scheckungen der Früchte

Auf einen Blick

Pflanzenkrankheiten durch Ursachen

unbelebte Pflanzenschäden / Pflanzenkrankheiten:

  • Witterung – Hitze, Kälte, Hagel, Sturm, Überflutung
  • Pflanzenschutzmittel – falsche Dosierung, falsches Mittel, falscher Zeitpunkt, Nachwirkung in der Folgefrucht
  • Produktionstechnik – Saattiefe, Pflegearbeiten
  • Düngung – Überversorgung, Unterversorgung, Verätzung
  • Boden – Wassermangel, Luftmangel, Nährstoffmangel
  • Umweltbelastung – Abwasser, Abgase, Strahlung

belebte Pflanzenschäden / Pflanzenkrankheiten:

  • Schädlinge – Insekten, Würmer, Schnecken, Mäuse
  • Krankheiten – Pilze, Bakterien, Viren
  • Konkurrenzpflanzen – Ungräser, Unkräuter

Schadursachen auf einen Blick

  • Unkräuter, Ungräser – Konkurrenz für Kultur, Qualitätseinbußen, schwere Ernte und Pflege, Wirtspflanzen für Schädlinge, Giftpflanzen (z.B. Klettenlabkraut, Ampfer, Distel, Vogelmiere, Kamille, Flughafer, Windhalm, Ackerfuchsschwanz, Hirsearten)
  • Pilze – Zerstörung des Gewebes, Verschmutzung, Qualitätsverluste (z.B. Echter und Falscher Mehltau, Schorf, Septoria, Roste, Brand-Krankheiten)
  • Bakterien – Zerstörung der Pflanze (z.B. Feuerbrand, Ringfäule der Kartoffel, Schwarzbeinigkeit)
  • Virosen – Ertrags- und Qualitätsverluste (z.B. Vergilbungskrankheit der Zuckerrüben, Kartoffelabbau, Obst-Virosen)
  • Insekten – Fraß- und Saugschäden (z.B. Kartoffelkäfer, Apfelwickler, Blattläuse, Frit- und Kohlfliegen, Wanzen)
  • Nematoden – Wuchshemmungen, Ertrags- und Qualitätsverluste (z.B. Zystennematoden an Kartoffeln und Zuckerrüben, Wurzelgallenälchen, Stängelälchen)
  • Milben – Saugschäden und Qualitätsverluste (z.B. Spinnmilben, Mehlmilben)
  • Schnecken – Fraßschäden (z.B. Ackernacktschnecken, Gehäuseschnecken)
  • Säugetiere – Fraßschäden, Verschmutzung (z.B. Ratten, Mäuse, Wildschweine)
  • Vögel – Fraßschäden (z.B. Spatzen, Grünlinge, Fasane, Tauben)
  • Nährstoffmangel – Zerstörung des Pflanzengewebes (z.B. Bor, Mangan, Magnesium)
  • Nährstoffüberschuss – erhöhte Krankheitsanfälligkeit (z.B. Stickstoff)
  • Standort, Wetter – vermindertes Wachstum, Pflanzenzerstörung (z.B. Bodenverdichtung, Hagel)

Qualitätseinbußen durch unterlassenen Pflanzenschutz

  • Knollenfäule – faule, ungenießbare Kartoffelknollen
  • Steinbrand – nach Heringslake stinkendes, ungenießbares Getreide
  • Schimmelpilze – Gesundheitsgefährdung durch giftige Stoffwechselprodukte (Mykotoxine)
  • Spelzenbräune – Schmachtkorn bei Getreide
  • Apfelwickler – Fraßgänge und Kot, Fäulen und Schimmel als Sekundärschäden, verwurmte Äpfel
  • Blattläuse, Raupen – Unansehnlichkeit
  • Schnecken im Gemüse – Ungenießbarkeit